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Zu den Vorbereitungen für das Fest gehört es auch, Geschenke zu besorgen. Das kann verschieden aufwendig gestaltet werden. Gutscheine werden immer beliebter und Verkäuferinnen berichten davon, dass Leute irgendwas kaufen: „Meine Frau tauscht es eh um“ heißt es als Begründung. (Standard, 30./31. Dez. 06) In den Geschichten, die nach Weihnachten erzählt werden, fällt dagegen auf, dass Erwachsene nicht über Geschenke reden, Kinder dagegen fast nur. Für die erwachsenen Beschenkten sind Präsente Nebensache. Dieser Aspekt macht besonders darauf aufmerksam, dass Weihnachten vor allem das Fest der Kinder ist. Sie schreiben ihre Wunschzettel an das „Christkindl“. Aber was man sich zu Weihnachten wünschen würde, hätte man die märchenhaften drei Wünsche frei, ist trotzdem zum kulturindustriellen Gesellschaftsspiel geworden. Zeit Campus und die Süddeutsche Zeitung haben ihre Leser befragt.
Schon in der studentischen Subkultur, also unter jungen Erwachsenen fällt auf, dass die Wünsche nicht materialistisch sind: der erfolgreiche Abschluss des Studiums, ein gemütliches Fest, ruhige Wochen bis zu Gesundheit und ein langes Leben. Wenn zusätzlich ein MP-3-Player oder ein Laptop unter den Geschenken zu finden sind, würde man das auch nicht ablehnen, aber es dominieren „soziale“ und „erotische“ Wünsche: „Ich möchte meine Freundin auspacken“, sagt ein österreichischer Student, der sich gerade in Stockholm aufhält. Wenn man die Antworten auf die Frage, was das „krasseste Geschenk“ sei, das die Befragten gekauft haben, einbezieht, verstärkt sich dieser Eindruck. Die Geschenke symbolisieren soziale und sexuelle Wünsche: Handschellen, die auf einer Sexmesse für die Freundin erstanden wurden, ein Kamasutra-Buch für eine Freundin, ein „Stehaufmännchen“, um zu zeigen, dass wer hinfällt auch wieder hochkommt. Dass der „Kartoffelstampfer“ erwähnt wird, der für die Mutter vorgesehen ist, erfüllt die Anforderungen, die die Frage nahelegt. Zeit Campus will auch zu Weihnachten witzig sein. Das passt zur Haltung dieser Generation zu den Feierlichkeiten: Distanz wird noch demonstriert, aber ganz entziehen tut man sich nicht (mehr).
Die „Top Ten der Weihnachtswünsche“, die in der Süddeutschen Zeitung (/leben/artikel/547/96451/article.html) veröffentlicht wurden, fassen die 3000 geheimen Wünsche zusammen, die in der Reaktion eingegangen sind. Erst auf Platz 5 findet sich Materielles, die Rangliste wird von Liebe, Job, Glück und Gesundheit angeführt. Selbstverständlich gehört „Frieden“ (Platz 7) zu den Weihnachtswünschen, aber auch „Sex“ (Platz 6), „Nachwuchs“ (Platz 8), eine „gute Ausbildung“ (Platz 9) und „bessere politische Zustände“ (Platz 10).
Die Wünsche lassen sich in drei Kategorien zusammenfassen:
a/ vom Einkommen abhängige, aber prinzipiell erfüllbare Wünsche, wie die materiellen, aber auch „Goldzähne“ und ein „Besuch im „Swingerclub“;
b/ „Träume“ und unernste „Träumereien“, wie die „große Liebe“, die bekanntlich niemand willentlich herbeiführen kann, oder eine Affäre mit Prominenten; dazu gehören auch „Tabubrüche“ wie „Sex mit dem Psychiater“ oder dem „besten Freund des Mannes“;
c/ pragmatische Wünsche, wie einen „guten Job“, Medikamente, die ein schmerzfreies Leben ermöglichen, eine „berufliche Zukunft“ oder keine „Erhöhung der Mehrwertsteuer“. An diesen Wünschen ist interessant, dass die gesellschaftlichen und politischen Verhältnisse so eingeschätzt werden, dass sich diese Dinge dem eigenen Einfluss (fast) entziehen. Dass jeder seines Glückes Schmied sei, wird nicht mehr angenommen. Glück muss man haben, kann es aber nicht selbst herbeiführen. Auch Politik hat den Charakter eines frommen Wunsches an die Herrschenden.
In den Weihnachtswünschen 2006 drückt sich Ohnmacht aus: Wünschen wird man sich ja noch was dürfen – und Geschenke umtauschen auch.
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