Christmette

Die Kirchenbesuche zu „allen heiligen Zeiten“ (jährlich zu Weihnachten und Ostern, ansonsten zu Hochzeiten, Taufen und Beerdigunen) sind zu Weihnachten ein leicht zugänglicher Teil des Unterhaltungsangebots:

„Je nach dem wo Du wohnst, kannst Du Glück oder Pech haben mit außerhäusigen Veranstaltungen. (...) und nach dem Abendessen zu Hause werden wir vielleicht noch einen Gottesdienst besuchen, den gibt es mit Sicherheit in der kleinsten Gemeinde.“ (www.brigitte.de)

Der Besuch der Christmette, das wird in diesem Statement klargestellt, hat nichts mit Religion zu tun, er gehört vielmehr zum Unterhaltungsprogramm, das an diesem Tag leicht verfügbar ist und entsprechend in die Planungen der Abendgestaltung einbezogen wird. „Zur Feier des Tages könne man doch in die Kirche gehen“, heißt es in einem anderen Beitrag als Reaktion auf „nur an Weihnachten in die Kirche gehen, [sei] eine Lüge“. Und der Besuch der Kirche ist Teil eines „alten Brauchtums“, als das Weihnachten laut einer Imas-Umfrage (Nr. 24, November 2006) von fast der Hälfte der österreichischen Bevölkerung verstanden wird.

Dazu gibt es besonders auf dem Land die sentimentalen Erinnerungen an den Kirchgang: durch tiefen Schnee, mit Fackeln, begleitet von der Musik, mit der „Turmbläser“ die Gemeinde zusammenrufen, wie Großmütter zu erzählen belieben. (Der Bergbauernbub und Heimatdichter Peter Rosegger hat das literarisch bearbeitet.) Der Besuch der Mette war für manche ein Ereignis, das sich Jahr für Jahr romantisieren lässt. Selbst von älteren Frauen, die sich als überdurchschnittlich religiös bezeichnen, wird die Mette mit ästhetischen Kategorien wie „schön“ und „feierlich“ eingestuft. Und es gibt ein Wissen darüber, in welcher Gemeinde oder Kirche diese Veranstaltung besonders „schön“ gestaltet wird.

An Kindermetten oder Krippenspielen, die nachmittags veranstaltet werden, ist besonders offensichtlich, dass der Besuch der Kirche Teil des weihnachtlichen Brauchtums ist. So begründet ein junger Vater (Zuschrift an die folks-uni) den Besuch eines Krippenspiels damit, dass er seinem Kind die christliche Tradition schon vermitteln wolle – bevor die Tochter zur Welt kam, habe es weder einen Weihnachtsbaum noch den Besuch der Kirche gegeben. Für die Mutter einer 6jährigen Tochter ist das entscheidende Kriterium, die Weihnachtsgeschichte zu erzählen, dass es sich dabei um eine „gute Geschichte“ handelt. Wie bei jedem anderen Kinderbuch auch, muss die „Story“ dazu taugen, das Kind zu „fesseln“. Es ist nicht Religiosität, sondern Christentum als Tradition, die zu Weihnachten für die Kinder wiederbelebt wird.

Daraus lässt sich schlussfolgern, dass der religiöse Charakter dieses Festes allenfalls als kulturelles Erbe in den Feierlichkeiten präsent ist, aber Gläubigkeit, sofern überhaupt vorhanden, zu Weihnachten zurückgedrängt wird.