Muslimische Weihnachten

„Am Weihnachtsabend hab ich gearbeitet (in einer Cafeteria) bis 20 Uhr, dann wurde geschlossen. Eine österreichische Bekannte hat mich eingeladen. Sie macht jedes Jahr ein kleines Weihnachtsfest mit Essen und so. Aber ich habe abgelehnt, ich war zu müde. Bin heimgegangen schlafen. Am Weihnachtsabend arbeiten immer wir Muslime, damit die Christen feiern können. Das hab ich bei allen meinen Arbeitsplätzen so erlebt. Es ist ok für mich, ich tue das gerne. So kann ich meinen Respekt zeigen für die christlichen Bräuche. Am 25.12. hat unser Geschäft geschlossen gehabt, ich hab mich ausgeruht und dann Freunde besucht, dann hat meine Schwester Besuch bekommen und ich hab wieder gearbeitet, auch zu Silvester, aber nicht in der Spätschicht, so habe ich meine Schwester und ihren Besuch zum Silvesterfest beim Rathaus begleitet, na ja ein ziemlicher Trubel... Aber das Neujahrfest feiere ich gerne, es ist zwar nicht unser Neujahrsfest, unser Neues Jahr beginnt eigentlich am 21. März. Aber das hat für mich an Bedeutung verloren. Ich lebe ja hier und meine Arbeit, meine Termine sind an diesen Kalender gebunden, der Kalender bestimmt mein Leben und so ist dieser Jahresbeginn hier auch für mich wichtig geworden.“ (Zuschrift von einem 22jährigen Mann)

„Weihnachtsferien sind gut, man kann sich ausschlafen. Am Weihnachtsabend war ich zuhause. Ich hab gearbeitet für die Schule. Ich muss ein Referat vorbereiten – über einen Mode-Designer. Ich muss das Referat mit Power point präsentieren und dafür hab ich im Internet gesucht. Ich soll ja auch Modelle des Designers zeigen. Aber viel habe ich nicht gefunden. Und was ich über den Designer selbst erzählen soll, weiss ich noch gar nicht. In den Weihnachtsferien ist dann meine Freundin aus dem Ausland auf Besuch gekommen. Fast 2 Jahre habe ich sie nicht mehr gesehen! Wir sind spazieren gegangen im Zentrum und in der Mariahilferstraße. Zu Silvester waren wir beim Rathaus, viele Menschen waren da, alle so fröhlich, das war lustig. (Am Esstisch stehen 2 Kerzen in weihnachtlichen Kerzenhaltern – ein Geschenk von vorigen Weihnachten.)“ (Zuschrift von einer 18jährigen Frau)

„Am Weihnachtsabend war ich zuhause (im Heim, in dem Studenten und Asylbewerber wohnen) und habe Freunde besucht, auch in den Ferientagen, oder für die Schule gelernt. Am 31. Dezember war heuer zufällig auch ein besonderer muslimischer Feiertag („Islam“?, Tag des Friedens). Wir haben ein kleines Fest gefeiert, meine Freunde und ich, zusammen gegessen und geplaudert. Nur leider sind die Zimmer im Heim so klein, wenn wir da auf unseren Bettkanten sitzen, man kann sich gar nicht bewegen... Wir sind dann zum Silvesterfest auf den Stephansplatz gegangen. Ich gehe schon 3 Jahre, solange ich hier lebe, immer auf den Stephansplatz. Es gefällt mir, die vielen Leute, die da feiern. Heuer waren vielleicht nicht ganz so viele wie voriges Jahr. Aber ich habe heuer ganz viele meiner Landsleute getroffen! Auch alte bekannte Landsleute aus dem Bundesland, wo ich früher in den ersten Jahren meines Aufenthalts in Österreich gelebt habe. Man erzählt sich dann, wen man in der Menge noch wiedergesehen hat und wie es dem einen und dem anderen Freund geht. Das ist ein guter Treff.“ (Zuschrift von einem 21jährigen Mann)

„Wir Fremden, besonders wir Muslime, haben viele Probleme mit Weihnachten, besonders wenn du allein leben musst und du vermisst die Familie diese Tage sehr. Jedes Jahr war ich zuhause und wir haben unser Fest zusammen mit unserer Familie gefeiert, aber wenn du in einem fremden Land bist and du kennst auch keinen, das ist sehr schwer. Aber wenn du mit einer christlichen Familie lebst, dann ist es sehr schön, weil du bist in dem Glanz von Weihnachten so beschäftigt, dass du alles andere zu vergessen versuchst. Ich habe das Glück, ich lebe allein, aber zu Weihnachten jedes Jahr fahre ich zu meiner Gastfamilie, das ist sehr schön. Am 24. Dezember half ich den Baum herzurichten und mit vielen Süßigkeiten zu schmücken. Viele Geschenke werden verschenkt. Es ist sehr schön, zusammen abendzuessen. In diesen Momenten habe ich das Gefühl, immer herzugehören, aber die Wahrheit ist, dass ich immer wieder nach dem Weihnachtsfest gleich nach Wien fahre und wieder in die Arbeit gehe. Weihnachten ist nicht unser Fest, aber jetzt werde ich immer Weihnachten feiern, weil das ein sehr schönes Fest ist.“ (Zuschrift von einem 22jährigen Mann)

„Christbaumkugeln, Lametta und Strohsterne sind rund um den Tannenbaum verteilt. Die Kinder schmücken ihn gemeinsam für Heiligabend. Doch im Hintergrund läuft nicht ‚Oh du fröhliche’, sondern türkische Popmusik. Familie G. aus H. bereitet sich auf das Weihnachtsfest vor. [...] Heiligabend laden sie immer viele Freunde zum Essen ein. ‚Ich koche dann türkisch: Viel Fleisch, Suppe, Reis und Salat’, sagt S. Die Kinder spielen, die Erwachsenen reden und lachen, tanzen zu türkischer Musik. Der Fernseher bleib ausnahmsweise aus. ‚Bei uns Türken läuft der Fernseher sonst ständig im Hintergrund’, erklärt sie. Doch nicht jeder hat dafür Verständnis, dass Moslems Weihnachten feiern. ‚Es wurde auch schon gestichelt, ob wir zum Christentum übergetreten wären’, sagt S. Dann erwidert sie, dass sie nicht aus religiösen Gründen Weihnachten feiert. Für sie ist es ein Familienfest – wie für viele Deutsche auch. ‚Es ist einfach eine schöne und besinnliche Zeit.’“ (24.12.2006, Hamburger Abendblatt)

„Ich habe immer darauf geachtet, dass ich an Heiligabend bei meiner Familie war und mit ihnen gegessen habe – da habe ich wohl anstecken lassen von den Christen. Früher hatten wir eine ältere deutsche Nachbarin, die uns am ersten Weihnachtstag eingeladen hat. Sie hat dann allen Familienmitgliedern ein Geschenk gekauft, und wir haben sie beschenkt. Wir haben uns feierlich angezogen, wie man das so kennt. Aber seitdem sie nicht mehr da ist, beschenken wir uns nicht mehr in der Familie. Es sind wirklich oft die älteren alleinstehenden Deutschen, bei denen die türkischen Kinder ihre ersten Weihnachtserfahrungen machen. [...] Ich würde das schon feiern, einfach weil es in ist. Das ist mit Karneval genauso. Wenn man in Köln lebt, dann feiert man mit oder man fährt weg. Wenn ich rausgehe und bin nicht verkleidet, komme ich mir doof vor. Deshalb würde ich an Weihnachten einen Baum kaufen und ihn schmücken.“ (Cihan, taz, 23.12.2006)

„Ich habe die muslimischen Kinder in meiner Klasse gefragt, wie sie Weihnachten feiern würden. Das war sehr interessant. Sie haben nicht gesagt, dass sie sich Geschenke wünschen. Sie redeten davon, dass sie gerne einen Adventskalender hätten oder einen Weihnachtsbaum, und den würden sie so oder so schmücken. Auch viele erwachsene Muslime schwärmen übrigens von Weihnachten, weil das ein Familienfest ist.“ (Dalkilic, taz, 23.12.2006)

„As a Muslim, I can claim religious immunity to the routine demands of Chistmas while taking advantage of the occasion’s pleasures.“ (posted 12/22/2004)

„Der Vater von Gülay Öz kam 1965 als Gastarbeiter nach Deutschland. Für ihn bedeutete Weihnachten vor allem eins: ein paar freie Arbeitstage. Das änderte sich, als er wenig später seine Familie nachholte. Gülay und ihre Schwester kannten bis dahin zwar nur das Neujahrsfest, aber ‚da wir über die Weihnachtsfeiertage schulfrei hatten, haben wir einfach Neujahr vorgefeiert’, erzählt sie. ‚Die Geschenke, die wir eigentlich zu Neujahr bekommen, gab es dann eben schon zu Weihnachten.“ (Deutsche Welle, Panorama)

„Für Can hat das durchaus Vorteile. Er feiert nicht nur das christliche Weihnachten, sondern auch das muslimische Ramadan-Fest, das jeweils am Ende des Fastenmonats Ramadan begangen wird. Genau wie Weihnachten, ist auch dieses Fest vor allem ein Familienfest: Gemeinsam mit den Eltern besucht Can dann die Familie seiner Mutter. Und da man das Ramadan-Fest auch Zuckerfest nennt, bekommt Can dort, wie alle Kinder, viele Süßigkeiten geschenkt. ‚Can ist halb deutsch, halb türkisch’, sagt Vater Fritsche, ‚so kriegt er die netten Seiten von beiden Kulturen mit’.“ (Deutsche Welle, Panorama)

„I am Muslim, and my family und I celebrate the commercial part of Christmas – giving presents to each other und our friends. It is just a fun event. We get together with our family and friends to exchange gifts und enjoy a huge potluck dinner. We have doing this for more than 7 years. And it is a great und fun tradition.” (http://answers.yahoo.com)

“It’s vaguely upsetting for me to not join in on the Christmas spirit because I’m Muslim. But since I started college I’ve had a renewed interest and appreciation for our holidays: Eid-ul-Fitr and Eid-ul-Adha. My brother is seven and my parents have been giving him presents for Christmas, but I wish they would just give him Eid presents so that we can all be proud of our own holidays. I like giving Christmas presents to my Christian friends, I though! I love seeing the colorful decorations in the neighborhood and watching people get excited.” (http://answers.yahoo.com)

„I’m not Muslim, but I have a close friend who is, and she loves Christmas! She doesn’t celebrate the religious part of it, but then again neither do I. Every year she comes to my Christmas party (she was here last night infact, and had a great time!), participates in the secret santa gift exchange, sings Christmas carols with us...all that stuff. She’s not offended at all when we say Merry Christmas, and she has no problem wishing us a Merry Christmas. So, as far as I can tell she loves Christmas, and has no problem celebrating parts of it.” (http://answers.yahoo.com)