Hier reden wir: die Gesellschaft
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Studiengruppe Bio- und NeurowissenschaftenTorsten Heinemann
Bio- und Neurowissenschaften haben seit etwa einem Jahrzehnt Hochkonjunktur. Wissenschaftler verschiedener Disziplinen, darunter Biologen, Psychologen, Mediziner und Physiker, um nur einige zu nennen, arbeiten gemeinsam unter diesem Label und verkünden bzw. versprechen bahnbrechende Erkenntnisse mit Auswirkungen auf unser gesamtes „Menschenbild“. Beflügelt durch Fortschritte in der Medizin- und Computertechnik hat dieses Wissenschaftsfeld enorm an Bedeutung gewonnen und es gibt Bestrebungen, die Bio- und Neurowissenschaften zur neuen Königsdisziplin auszurufen. Im „Manifest“ [1] der Hirnforschung wird bereits das Bild der neurowissenschaftlich dominierten Zukunft gezeichnet. Dass „Neuro“ im Trend liegt, zeigt auch die zunehmende Verwendung der Vorsilbe „Neuro“: so gibt es „Neuro-Economics“, „Neuro-Pädagogik“, „Neuro-Theologie“ oder „social neuroscience“. Da beachtliche Summen von Forschungsgeldern in den Bereich der Bio- und Neurowissenschaften fließen, ist diese Entwicklung durchaus nachvollziehbar. Vermeintliche Kritik an der bio- und neurowissenschaftlichen Dominanz kommt insbesondere von Philosophen. Aus einer defensiven Position heraus beteiligen sie sich an der Diskussion um bio- und neurowissenschaftliche Forschungsergebnisse. Was zunächst als eine adäquate Kritik und Auseinandersetzung mit den Bio- und Neurowissenschaften scheint, kann jedoch auch als Mittel interpretiert werden, selbst ins Zentrum der Aufmerksamkeit zu rücken und verloren Boden im Kampf um wissenschaftliche Anerkennung und nicht zuletzt auch um Forschungsgelder gut zu machen. Exemplarisch zeigt sich dies an der Kontroverse um den „freien Willen“, die zwischen Philosophen und Hirnforschern stattfindet. Nicht zuletzt diese Kontroverse macht darauf aufmerksam, dass die Ergebnisse der „Hirnforschung“ nicht nur wissenschaftsintern kommuniziert und diskutiert werden, sondern eine breite Öffentlichkeit über die „revolutionären“ Erfolge in Kenntnis gesetzt wird. Die Bio- und Neurowissenschaften verfügen heute wie kein anderer Wissenschaftsbereich über eine derartige mediale Präsenz in Feuilletons, Zeitschriften, Magazinen sowie populärwissenschaftlichen Fernsehformaten. Doch was sind die neuen Erkenntnisse, die uns die Bio- und Neurowissenschaften versprechen? Welche Relevanz haben die hier nur kursorisch beschriebenen Entwicklungen für die Gesellschaftswissenschaften? Wie ist das Verhältnis der Neurowissenschaften zu anderen wissenschaftlichen Disziplinen und durch welche Faktoren wird es beeinflusst? Welche Ziele werden von wem mit der populärwissenschaftlichen Aufarbeitung der Forschungsergebnisse verfolgt? In dieser Studiengruppe wollen wir uns näher mit den Bio- und Neurowissenschaften auseinandersetzen und diesen und weiteren Fragen nachgehen. Das Themenfeld soll aus unterschiedlichen Perspektiven und mit verschiedenen Zugängen zum Feld untersucht werden.
Die Studiengruppe wird betreut von Torsten Heinemann. Bei Interesse an aktiver Teilnahme bitte eine Email an heinemann@soz.uni-frankfurt.de senden. Die aktive Teilnahme setzt Registrierung bei der folks-uni voraus.
[1] Elger, Christian E., Angela D. Friederici, Christof Koch, Heiko Luhmann, Christoph von der Malsburg, Randolf Menzel, Hannah Monyer, Frank Rösler, Gerhard Roth, Henning Scheich und Wolf Singer (2004): Das Manifest. Elf führende Neurowissenschaftler über Gegenwart und Zukunft der Hirnforschung. In: Gehirn und Geist, 6:30-37 Testseite |
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